Jungs fragen – Profis antworten

Auf dieser Website findest du Antworten auf Fragen von geflüchteten Jungen rund um Sexualität, Lust und Schutz. Begriffe, die du nicht kennst kannst du hier nochmal nachlesen: 

Youth 4 Youth gibt es auch als Broschüre. Du kannst die gedruckte Broschüre hier bei der Deutschen Aidshilfe bestellen oder hier als PDF herunterladen.

Sex

1. Was ist eigentlich Sex?

Sex meint sexuell erregende Handlungen zwischen Menschen oder auch an sich selbst (Selbstbefriedigung). Er ist damit mehr als Geschlechtsverkehr. Sex kann beispielsweise auch Küssen, Streicheln und Befriedigung mit Mund oder Händen umfassen. Wichtig ist, dass es dir oder euch gefällt und Lust bereitet.

Für viele Menschen ist Sex sehr wichtig. Sie fühlen sich durch Sex gut und er macht ihnen Spaß. Menschen fühlen und erleben Sex aber auch ganz unterschiedlich.

2. Ab wie viel Jahren darf man Sex haben?

In Deutschland gibt es Gesetze, um Kinder und Jugendliche im Bereich der Sexualität zu schützen. Es ist Erwachsenen und Jugendlichen generell verboten, mit Kindern unter 14 Jahren sexuelle Handlungen durchzuführen! Hierzu zählen auch Zungenküsse oder Petting. Ab einem Alter von 14 Jahren gilt man in Deutschland als „sexuell mündig“, darf also weitgehend selbst entscheiden, ob und mit wem man Sex haben will. Was dabei zu berücksichtigen ist, kannst du bei Zanzu nachlesen. Zudem haben Eltern oder andere Erziehungsberechtigte die Aufsichtspflicht über ihre Kinder, solange diese noch nicht 18 sind. Das heißt, sie sind dafür verantwortlich, dass ihren Kindern nichts passiert. Sie können sich einmischen, wenn sie sich sorgen und eine Gefahr für ihr Kind vermuten.

Mehr Regelungen und genauere Informationen findest du hier.

Ganz grundsätzlich gilt: Sex müssen beide wollen. Wer dich mit Gewalt dazu zwingt oder dir droht, macht sich strafbar. Dabei ist es egal, wie alt du bist! Und das Recht, nein zu sagen, gilt für alle Menschen, egal wen sie lieben.

3. Wie oft muss man Sex machen?

Es gibt keine Regeln dafür, wie oft man Sex haben soll. Das Bedürfnis nach Sexualität kann sehr unterschiedlich sein und sich verändern. Wie oft man miteinander schläft, hängt von beiden Partnern ab. Jede Beziehung lebt von eigener Lust und den Bedürfnissen von beiden. Was beide Partner einvernehmlich wollen, ist wichtig und richtig. Männer und Frauen dürfen aber auch „Nein!“ sagen.

4. Haben Frauen den gleichen Sexualtrieb wie Männer?

Ob und wie sich die Lust auf Sex bei Männern und Frauen unterscheidet, ist noch nicht vollständig erforscht. Männer geben oft häufigere sexuelle Kontakte an als Frauen. Das Bedürfnis nach Sexualität kann jedoch unabhängig von Alter und Geschlecht, von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein und sich im Laufe des Lebens immer wieder verändern. Es wird von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst. So können Erfolg und ein positives Selbstbild förderlich für die Lust sein, Angst, Stress und Druck dagegen störend wirken.

5. Wie lange dauert guter Sex?

Guter Sex ist keine Frage der Zeit, sondern der Empfindung. Er kann unterschiedlich lange dauern. Guter Sex macht beiden Partnern Spaß und erfüllt sie. Wie schön und intensiv Sex erlebt wird, hängt auch von anderen Gefühlen und äußeren Einflüssen ab. Viele Menschen denken, dass der Sex vorbei ist, wenn der Mann einen Orgasmus hatte. Das muss aber nicht so sein. Menschen können sich auf ganz unterschiedliche Weise gegenseitig schöne und lustvolle Gefühle bereiten, z. B. mit dem Mund oder mit den Händen, wenn sie wollen. Dafür braucht es keinen steifen Penis.

6. Was ist ein Orgasmus?

Der Orgasmus wird als der Höhepunkt der sexuellen Lust und Erregung bezeichnet. Nach einer Phase starker sexueller Anspannung, die immer mehr ansteigt, kommt es zu einer gefühlten Entladung, gefolgt von einem Zustand der Entspannung. Menschen beschreiben den Orgasmus häufig als explosionsartig und mit Glücksgefühlen verbunden. Aber auch ohne Orgasmus kann Sex als sehr schön empfunden werden.

Orgasmus und Samenerguss können bei Jungen und Männern gleichzeitig stattfinden; sie können sich aber auch unabhängig voneinander ereignen. Mädchen und Frauen können manchmal auch einen Erguss haben. Orgasmen können sehr unterschiedlich erlebt werden.

7. Woran erkenne ich, ob das Mädchen oder die Frau Lust hat, Sex mit mir zu haben?

Das ist eine entscheidende Frage, weil es sehr wichtig ist, dass beide Partner Lust auf Sex miteinander haben. Es gibt jedoch keine allgemeinen Zeichen, an denen du erkennen kannst, ob ein Mädchen oder eine Frau Lust auf dich hat und Sex mit dir haben möchte. Manchmal ist es sogar nicht leicht herauszufinden, ob sie überhaupt an dir interessiert ist. Und wenn ja, wie sehr … Vielleicht findet sie dich einfach nur nett und mehr nicht. Es kann sein, dass sie bereit ist, Zärtlichkeiten mit dir auszutauschen oder dich zu küssen, aber keinen Geschlechtsverkehr mit dir haben möchte. Das musst du beachten. Am besten fragst du nach, bevor du etwas tust, was die andere Person nicht will oder ihr nicht gefällt.

8. Woran erkenne ich bei einer Frau, dass sie erregt ist?

Bei sexueller Erregung werden auch bei der Frau die Geschlechtsorgane besser durchblutet. Die äußeren und inneren Schamlippen schwellen an, die Klitoris wird etwas größer. Bei manchen schwellen die Brüste und die Brustwarzen treten deutlicher hervor. Auch wenn die Vagina feucht wird, kann dies zeigen, dass die Frau erregt ist. Zeichen körperlicher Erregung müssen jedoch weder bei Mädchen noch bei Jungen bedeuten, dass sie wirklich Sex haben möchten. Manchmal reagiert unser Körper anders, als wir das wollen. Zum Beispiel wird die Vagina eines Mädchens feucht, aber sie möchte keinen Sex. Hierzu kannst du auch nochmal bei Frage 7 schauen. Oder ein Mensch möchte Sex haben, aber der Körper spielt nicht mit.

9. Ist das erste Mal für eine Frau schmerzhaft?

Frauen und Männer haben in ihrem Leben viele „erste Male“den ersten Kuss, die erste Beziehung, den ersten sexuellen Kontakt. Wenn zwei Menschen das erste Mal Sex miteinander haben, kann es für beide eine sehr aufregende und neue Erfahrung sein. Einige Frauen haben aber Angst, der erste Geschlechtsverkehr mit einem Mann könnte wehtun. Geschlechtsverkehr kann generell wehtun, wenn die Vagina der Frau nicht feucht genug ist oder der Mann nicht vorsichtig genug vorgeht. Mann und Frau sollten also immer so lange warten, bis die Vagina feucht ist und bereit, den Penis aufzunehmen. Geschlechtsverkehr kann bei Frauen auch dann wehtun, wenn sie sehr angespannt sind. Es ist also wichtig, dass die Frau sich wohlfühlt. Partner sollten generell aufeinander achten und auch nachfragen, ob es für den anderen so gerade schön ist – das gilt für Sex generell, nicht nur für das „erste Mal“.

 

Du hast vielleicht gehört, dass alle Frauen beim ersten Geschlechtsverkehr bluten. Warum das nicht stimmt, erklären wir bei Frage 10.

10. Was bedeutet es eigentlich, die Jungfräulichkeit zu verlieren?

Von „Jungfräulichkeit“ spricht man, wenn Menschen noch nie Sex mit einem anderen Menschen hatten. Dies können Jungen wie Mädchen sein.

Viele glauben, dass sich die Jungfräulichkeit von Mädchen und Frauen am sogenannten Jungfernhäutchen oder auch Hymen erkennen lässt. Das ist falsch! Man kann weder bei Frauen noch bei Männern erkennen, ob sie schon einmal Geschlechtsverkehr hatten.

Bereits die Bezeichnung „Jungfernhäutchen“ führt in die Irre, besser wäre es, von einem Vaginalkränzchen zu sprechen. Das „Jungfernhäutchen“ ist nämlich keine Haut, welche die Vagina (Scheide) verschließt, sondern ein Gewebe, das den Eingang zur Vagina umrandet und sehr unterschiedlich aussehen kann.[i] Da sich dieses Gewebe beim Einführen des Penis dehnt, kann man nicht sehen, ob ein Mädchen oder eine Frau schon mal Geschlechtsverkehr hatte oder nicht. Manchmal kann es zu kleinen Rissen in der Haut der Vagina kommen. Aber weniger als die Hälfte aller Mädchen und Frauen bluten beim ersten Mal. Dies kann vielleicht auch erst bei späteren Malen oder gar nicht geschehen. Selten passiert es auch, dass der Junge oder Mann blutet.

In manchen Familien wird erwartet, dass das Mädchen blutet – als Zeichen seiner Jungfräulichkeit. Dies kann Stress oder Druck auslösen. Wenn das bei euch so ist, könnt ihr mit Freundinnen oder Freunden darüber reden. Gemeinsam könnt ihr überlegen, wie ihr euch zu euren Familien verhalten wollt. Ihr könnt auch zu Beratungsstellen gehen.

Und zurück zur Frage, was „Jungfräulichkeit verlieren“ bedeutet: Eigentlich kann man nichts „verlieren“, wenn man erste sexuelle Erfahrungen macht. Für manche haben ihre ersten sexuellen Kontakte eine große Bedeutung, für andere weniger.

 

[i] Anna Knöfel Magnusson: Vaginal corona: Myths surrounding virginity: your questions answered. Brommatryck & Brolins AB, Stockholm 2009; vgl. Jungfernhäutchen (Hymen), abgerufen am 18.07.2019, von www.zanzu.de/de/koerper/koerper-der-frau/jungfernhaeutchen-hymen/

11. Muss sich eine “Jungfrau” vor dem ersten Mal vorbereiten?

Wer das erste Mal Geschlechtsverkehr haben möchte, sollte sich vorher um Schwangerschaftsverhütung und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten kümmern. Ansonsten gibt es keine besondere Vorbereitung, die Mädchen oder Jungen vor den ersten sexuellen Erfahrungen machen müssten. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und die des Partners oder der Partnerin ernst zu nehmen.

Sex oder kein Sex

12. Gibt es Menschen, die ohne Sex leben können?

Es gibt Menschen, die sich für sexuelle Abstinenz, also den Verzicht auf sexuelle Handlungen entscheiden, obwohl sie Lust auf Sexualität verspüren. Dies kann für eine begrenzte Zeit sein, z. B. wenn auf Sexualität vor der Ehe verzichtet wird oder während Prüfungsvorbereitungen, oder auch für den Rest des Lebens gelten. Inwieweit es Menschen wirklich gelingt, langfristig vollständig auf sexuelle Handlungen zu verzichten, ist nicht bekannt. In der Forschung wird aber davon ausgegangen, dass die sexuelle Lust abnehmen kann, wenn sehr lange auf Sexualität verzichtet wird. Es kann jedoch auch passieren, dass sich durch eine begrenzte Auszeit die sexuelle Lust verstärkt. Sehr wenige Menschen verspüren niemals sexuelle Lust oder das Bedürfnis nach sexuellen Kontakten. Manche nennen sich dann „asexuell“.

13. Warum befriedige ich mich selbst, wie kann ich mich davon befreien?

Es ist in Ordnung, wenn du dich selbst befriedigst. Das Bedürfnis nach Sexualität ist natürlich und ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Daher wird Sexualität auch zu den menschlichen Grundbedürfnissen gezählt. Man kann sich davon nicht befreien und Selbstbefriedigung (auch Onanie oder Masturbation genannt) ist ein Teil davon.

“Manche machen es häufig und manche selten oder gar nicht. Wie oft man es tut, kann auch phasenweise unterschiedlich sein. Jeder Mensch hat seine eigenen Bedürfnisse, und das ist in Ordnung. Selbstbefriedigung wird von vielen mit einem angenehmen Gefühl verbunden. Außerdem ist es eine Sache, die man niemandem erzählen muss. […] Und für Selbstbefriedigung brauchst du dich schon gar nicht zu schämen.”[i]

 

[i] Selbstbefriedigung, abgerufen am 18.07.2019, von www.loveline.de/infos/sex/selbstbefriedigung.html

14. Die Selbstbefriedigung kostet mich viel Energie und meine Konzentration leidet darunter. Wie kann ich die Selbstbefriedigung unter Kontrolle behalten?

In der Pubertät kann es sein, dass man viel an Sex denkt. Manchmal ist man deshalb unkonzentriert und abgelenkt. Selbstbefriedigung verstärkt diese Gedanken nicht, sondern man fühlt sich danach oft entspannter und kann sich wieder mit anderen Dingen beschäftigen.

Jeder Junge und jedes Mädchen kann selbst entscheiden, ob und wie oft er oder sie sich selbst befriedigt. Einige tun es jeden Tag, andere einmal in der Woche, manche nie. Dies sagt nichts darüber aus, ob sie gute oder schlechte Menschen sind. Andere Dinge, die dich interessieren, wie Sport oder Hobbys, können dir dabei helfen, dass du weniger an Sex denkst oder ihn zwischendurch ganz vergisst. Wenn du jedoch das Gefühl hast, an gar nichts anderes mehr denken zu können und darunter sehr leidest, kannst du dich an psychologisch ausgebildete Experten und Expertinnen wenden. Hier findest du Links und hier Beratungsstellen.

15. Ist Selbstbefriedigung schädlich?

Nein, Selbstbefriedigung schadet der Gesundheit nicht! Sie ist normal und dient der Entdeckung des eigenen Körpers, der eigenen Lust und Empfindung. Du kannst für dich herausfinden, welche Berührungen Lust machen und für dich erregend sind. Vielleicht erlebst du auch, was ein Orgasmus ist. Sich selbst zu kennen ist gut und hilft, später eine lustvolle Sexualität mit einem Partner oder einer Partnerin zu erleben. Das gilt auch für Mädchen.

16. Warum denke ich ständig an Selbstbefriedigung?

In der Pubertät bekommt man Lust, sich sexuell zu spüren und zu befriedigen. Der Körper ändert sich von dem eines Kindes zu dem eines Erwachsenen. Für Jungen bedeutet dies zum Beispiel, dass die Stimme tiefer wird, Barthaare wachsen, sie kräftiger werden und den ersten Samenerguss erleben. Bei Mädchen wachsen unter anderem die Brüste und sie bekommen ihre Monatsblutung (Menstruation). Damit dies geschieht, schüttet der Körper Hormone aus. Diese Hormone führen dazu, dass man mehr Lust auf Sexualität bekommt. Das ist normal.

17. Befriedigen sich auch die Mädchen selbst?

Wie bei den Jungen auch ist es unterschiedlich, ob und wie oft Mädchen sich selbst befriedigen. Auch für Mädchen ist es gut, den eigenen Körper kennenzulernen und zu erfahren, welche Berührungen sich gut anfühlen und welche nicht. Und auch bei Mädchen schadet Selbstbefriedigung nicht ihrer Gesundheit.

Schwul, lesbisch, bi

18. Warum verlieben sich manche Jungs in Jungs und manche Mädchen in Mädchen?

Verliebt zu sein ist ein tolles Gefühl. Man möchte dem anderen Menschen nah sein. Das ist immer gleich, egal ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Es gibt viele Möglichkeiten, Beziehungen zu führen. Zu dieser Vielfalt gehört auch Homosexualität, also dass Mädchen sich in Mädchen oder Jungen in Jungen verlieben können. Manche Menschen verlieben sich auch in beide Geschlechter, das nennt man dann bisexuell, oder sie sind offen für alle Geschlechter, das heißt dann pansexuell.

Kein Mensch kann sich seine Orientierung aussuchen. Niemand kann zu einer homosexuellen Orientierung erzogen oder gar verführt werden. Homosexualität ist keine Krankheit, die behandelt werden muss! Und sexuelle Vielfalt ist etwas ganz Natürliches.

19. Wie merkt man, dass man homosexuell oder bi ist?

Die meisten Menschen fangen in der Pubertät an, sich auch sexuell für andere Menschen zu interessieren. Wer sich als Junge nur für Mädchen oder als Mädchen nur für Jungen interessiert, wird sich wahrscheinlich keine großen Gedanken darüber machen, warum er oder sie heterosexuell ist.

Ob du homosexuell bist, merkst du zum Beispiel, wenn du als Junge einen anderen Jungen sexuell attraktiv findest. Vielleicht möchtest du ihm körperlich nah sein und weißt nicht genau, ob das gerade Freundschaft oder Liebe ist. Manchmal ist es so, dass man sich sowohl zu Jungen als auch zu Mädchen körperlich hingezogen fühlt. Dann spricht man von „Bisexualität“ (=bi). Die Entdeckung, dass man homosexuell oder bi ist, geschieht nicht von einem Tag auf den anderen. Es ist meistens ein längerer Prozess, der häufig mit der Frage verbunden ist, ob es sich „nur“ um eine Phase handelt. Homo- oder bisexuelle Jugendliche sind oft unsicher – meistens aus Angst, nicht von allen Menschen akzeptiert zu werden oder Freunde und Freundinnen oder die Familie zu enttäuschen. Sie haben auch Angst, dass andere sie schlecht behandeln oder diskriminieren. Oft verheimlichen die Jugendlichen, dass sie homo- oder bisexuell sind. Deshalb ist es wichtig, schwule, lesbische und bisexuelle Freunde und Freundinnen nicht auszugrenzen, sondern diese mit ihrer homo- oder bisexuellen Identität zu akzeptieren.

20. Was ist trans* sein?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, „trans*“ zu definieren. Dafür steht das Sternchen (*).

In der Regel bedeutet „trans*“, dass ein Mensch sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlt als dem Geschlecht, das ihm bei seiner Geburt zugewiesen wurde. Als Jungen/Männer eingestufte Menschen, die sich wie eine Frau fühlen, werden als Trans-Mädchen oder Trans-Frauen bezeichnet. Menschen, die bei der Geburt als Mädchen eingeordnet wurden, sich aber als Jungen/Männer fühlen, nennt man Trans-Jungen oder Trans-Männer. Aber auch Menschen, die sich geschlechtlich nicht festlegen möchten, definieren sich manchmal als trans*.[i]

Trans*-Menschen können wie alle anderen auch hetero-, bi- oder homosexuell leben.

 

[i] Transgender, abgerufen am 18.07.2019, von www.loveline.de/de/infos/geschlechter/transgender.html

21. Wie viele Menschen sind schwul, bi, lesbisch oder trans*?

Befragungen haben ergeben, dass zwischen 5 und 10 Prozent der Bevölkerung homo- oder bisexuell sind. Diese Ergebnisse hängen aber auch davon ab, wie stark diese Menschen in einer Gesellschaft diskriminiert werden. Denn wer Angst vor Diskriminierung hat, wird ihre oder seine sexuelle Identität wahrscheinlich nicht so leicht offenbaren. Der Anteil der Personen, die sich zumindest zeitweise zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, liegt übrigens viel höher, ohne dass sich diese Menschen als schwul, lesbisch oder bi bezeichnen. Über die Zahl und den Anteil von Trans*-Personen liegen noch keine verlässlichen Daten vor. Wichtig ist: Trans*-Personen sind nicht automatisch schwul oder lesbisch. Das sind verschiedene Dinge: einerseits das Geschlecht und andererseits die sexuelle Orientierung. Wer trans* ist, kann also heterosexuell, homosexuell oder bisexuell sein.

Schwangerschaft

22. Wie entsteht ein Kind und woher kommt es?

Ein Kind entsteht aus der Verschmelzung der Eizelle einer Frau mit der Samenzelle eines Mannes. Frauen besitzen in ihrem unteren Bauch zwei Eierstöcke, die sich je rechts und links der Gebärmutter befinden. Jeden Monat reift eine Eizelle in einem der beiden Eierstöcke. Ist eine Eizelle reif, so gelangt sie beim Eisprung in einen der beiden Eileiter, die mit der Gebärmutter verbunden sind. Dort kann sie während der nächsten 12 bis 18 Stunden durch eine Samenzelle befruchtet werden.

Hierzu müssen die Samenzellen durch die Vagina zur Eizelle gelangen. Dies geschieht, wenn eine Frau und ein Mann miteinander Geschlechtsverkehr ohne Verhütungsmittel haben und es bei dem Mann dabei zu einem Samenerguss (Ejakulation) in der Vagina der Frau kommt. In diesem Fall können 50 bis 500 Millionen Samenzellen in Richtung der Eileiter strömen. Dies kann auch passieren, wenn sich Samenflüssigkeit von einem vorherigen Samenerguss auf dem Penis oder den Fingern befindet und Samenzellen in die Vagina und von dort zu den Eileitern gelangen.

Verschmilzt die reife Eizelle mit einer Samenzelle, so wandert diese befruchtete Eizelle in den kommenden Tagen in die Gebärmutter und wächst dort langsam heran. Dieses Wachstum wird biologisch gesehen dadurch erreicht, dass sich die befruchtete Eizelle in immer mehr Zellen teilt. Diese Zellkugel wird zunächst Embryo genannt. Das Embryo wird durch die Nabelschnur der schwangeren Frau ernährt. Nach ungefähr neuneinhalb Monaten ist die Entwicklung des ungeborenen Kindes abgeschlossen und es kann auf die Welt kommen.

Wenn die Geburt beginnt, bekommt die schwangere Frau in der Regel Wehen. Die Fruchtblase, die das Baby in der Gebärmutter umhüllt, platzt. Dann fließt das Fruchtwasser aus der Vagina der Frau. Bei den Wehen zieht sich die Gebärmutter zusammen. Dies hilft der Frau, das Kind durch die Vagina herauszupressen. Oft ist dies für die Frau sehr anstrengend und schmerzhaft. Ist der werdende Vater dabei, ist er nicht selten aufgeregt. In Deutschland werden die meisten Babys im Krankenhaus geboren, manche jedoch auch in sogenannten Geburtshäusern oder zu Hause. Manchmal muss auch ein Kaiserschnitt gemacht werden. Dann wird das Kind aus dem Bauch der Mutter herausoperiert, das geht aber nur im Krankenhaus.

23. Was soll ich tun, um eine ungewollte Schwangerschaft bei der Partnerin zu vermeiden?

Für Jungen und Männer ist neben dem Verzicht auf Geschlechtsverkehr das Kondom die einzige Möglichkeit, eine unerwünschte Vaterschaft zu vermeiden. Das Kondom schützt Männer und Frauen außerdem vor der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Infektion wie HIV. Das Kondom ist sicher, wenn es richtig angewendet wird, siehe Frage 24. Und du kannst Kondome problemlos zum Beispiel in Drogerien, Apotheken oder im Internet kaufen. Über die Frage der Verhütung solltest du in jedem Fall mit deiner Partnerin sprechen, bevor ihr das erste Mal miteinander Geschlechtsverkehr habt.

Für Mädchen und Frauen gibt es hingegen verschiedene Verhütungsmittel. Um herauszufinden, welches am besten geeignet ist, bespricht sie das mit der Frauenärztin/dem Frauenarzt. Ihr könnt auch zusammen zur Frauenärztin / zum Frauenarzt gehen und euch über die verschiedenen Möglichkeiten informieren. Es gibt auch Beratungsstellen, in denen Verhütungsberatungen angeboten werden. Dort könnt ihr euch auf Wunsch auch anonym, also ohne Angabe des Namens, kostenlos beraten lassen (siehe Adressen-Teil). Einzelne Beratungsstellen ermöglichen auch einen kostenfreien Zugang zu Verhütungsmitteln.

Vollkommen ungeeignet zur Verhütung einer Schwangerschaft ist das „Rausziehen“ (der sogenannte „Koitus Interruptus”), bei dem der Penis kurz vor dem Orgasmus aus der Vagina gezogen wird. Schon vor dem Orgasmus können sich Samenzellen auf den Weg machen. Auch Analverkehr mit einem Mädchen (Penis in den Po) ohne Kondom kann zu einer unerwünschten Schwangerschaft führen, weil Samenflüssigkeit vom Po in die benachbarte Vagina fließen kann.

Kondome und Co.

24. Wie benutze ich ein Kondom richtig?
    1. Das Kondom aus der Verpackung nehmen. Die Kondomverpackung vorsichtig an der Seite aufreißen, dann das Kondom herausnehmen.
    2. Den Penis festhalten und Vorhaut zurückziehen.
      Kondom und Penis passen nur zusammen, wenn der Penis steif ist. Die Vorhaut zurückziehen, falls der Penis nicht beschnitten ist.
    3. Kondom aufsetzen und Luft rausdrücken. Das Kondom so ansetzen, dass die »Rolle« außen liegt und die Luft aus dem »Zipfel« drücken.
    4. Mit einer Hand festhalten, mit der anderen abrollen. Das Kondom bis ganz zur Peniswurzel abrollen. Nicht ziehen! Wenn das nicht klappt, nochmal mit einem neuen Kondom probieren.
    5. Weiter abrollen bis ganz nach unten. Bei Analsex sollte Gleitmittel verwendet werden. Und auch bei Vaginalsex kann Gleitmittel hilfreich sein, insbesondere wenn die Vagina nicht feucht genug ist.
    6. So sitzt es richtig: Den Penis mit dem Kondom herausziehen, bevor er schlaff wird. Das Kondom gehört in den Müll und nicht in die Toilette! Danach Penis und Hände gut waschen.“[i]

Wenn Du noch nicht so erfahren bist, übst du am besten ein paar Mal allein, dann fühlst du dich sicherer, wenn es soweit ist.

www.zanzu.de/de/familienplanung-und-schwangerschaft/verhuetung/kondom

 

[i] Ein Kondom überziehen, abgerufen am 18.07.2019, von www.liebesleben.de/fuer-alle/kondome/anwendung/

25. Wie kann man vermeiden, dass Kondome reißen oder kaputtgehen?

Bei richtiger Verwendung schützen Kondome vor ungewollter Schwangerschaft und vor sexuell übertragbaren Infektionen!

Benutze nur Kondome, die noch haltbar sind (das Datum steht auf der Packung) und deren Verpackung intakt ist.

Es gibt Kondome in unterschiedlichen Größen. Ein zu enges Kondom kann platzen, ein zu weites kann rutschen.

Kondome können nur einmal benutzt werden! Vorsicht beim Aufreißen, vor allem bei langen Fingernägeln oder Ringen. Keine Scheren, Messer oder ähnliches verwenden.

Kondome vertragen keine Hitze und keine direkte Sonneneinstrahlung.

Kondome sollten nicht im Portemonnaie oder in der Hosentasche aufbewahrt werden, weil sie dort beschädigt werden könnten.

Kondome vertragen keine fett- oder ölhaltigen Mittel. Keine Cremes, Lotionen oder Vaseline benutzen. Es gibt Gleitmittel auf Wasserbasis, die man in der Drogerie oder Apotheke kaufen kann.

Benutze nicht zwei Kondome übereinander! Sie reiben aneinander und können so leichter kaputt gehen.

26. Was kann man tun, wenn das Mädchen ungewollt schwanger wird?

Ist etwas bei der Verhütung schief gegangen, kann die „Pille danach“ helfen, eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Diese Pille sollte so schnell wie möglich eingenommen werden, am besten innerhalb der ersten 12 Stunden. Danach nimmt die Wirkung der „Pille danach“ immer weiter ab, bis sie gar nicht mehr hilft. Man kann dieses Mittel in der Apotheke kaufen, auch ohne Rezept. Mädchen unter 14 Jahren brauchen aber die Zustimmung ihrer Eltern. Ist das Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren alt und hat kein ärztliches Rezept, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker nach einem Gespräch über die Vergabe. Die „Pille danach“ kostet ohne Rezept zwischen 16 und 35 Euro.

Bei Problemen oder Fragen stehen Frauenärztinnen und Frauenärzte oder auch Familienplanungszentren zur Verfügung.

Wurde zu lange gewartet und die Periode bleibt aus, sollte ein Schwangerschaftstest gemacht werden. Das macht die junge Frau entweder bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt, bei einem Familienplanungszentrum oder sie geht ins Gesundheitsamt.

Wird die Schwangerschaft bestätigt und die Frau überlegt, die Schwangerschaft abzubrechen, sollte sie eine so genannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle aufsuchen. Dort können alle weiteren Schritte besprochen werden. Wünschenswert ist es, dass der junge Mann seiner Partnerin dabei zur Seite steht und sie, wenn sie dies möchte, auch begleitet.

Gesund beim Sex

27. Was ist der Unterschied zwischen HIV und AIDS?

HIV ist das Virus, welches die Krankheit AIDS hervorrufen kann.

HIV ist die Abkürzung des englischen Begriffs Human Immunodeficiency Virus.

Human: Menschliches

Immunodeficiency: Immunschwäche

Virus: Virus (Krankheitserreger)

Dies bedeutet, dass das HI-Virus die körpereigenen Abwehrkräfte schwächt. Menschen können sich zum Beispiel beim Sex bei anderen Menschen anstecken, wenn diese HI-Viren in ihrem Körper tragen.

 

AIDS ist die Krankheit, die durch Ansteckung mit dem HI-Virus ausgelöst werden kann.

Acquired: Erworben durch Ansteckung

Immune Deficiency: Schwäche des Immunsystems

Syndrome: Verschiedene Krankheitszeichen zusammen

 

AIDS ist die Folge einer HIV-Infektion, wenn sie nicht rechtzeitig durch einen HIV-Test erkannt und behandelt wird. Das HI-Virus hat das körpereigene Abwehrsystem so weit geschwächt, dass es dem Körper schwerfällt, Infektionen und bestimmte Krebsarten zu bekämpfen. Dadurch können zum Teil lebensbedrohliche Krankheiten auftreten. Heute gibt es jedoch Medikamente, die verhindern können, dass die Krankheit ausbricht und ein Mensch die Infektion weitergibt. Diese Medikamente muss ein HIV-positiver Mensch sein Leben lang nehmen. Bisher ist eine HIV-Infektion nicht heilbar.

28. Wie schütze ich mich vor HIV/AIDS?

HIV überträgt sich verhältnismäßig schwer: Nur wenn Körperflüssigkeiten, die viele Viren enthalten, mit Wunden oder Schleimhäuten des Körpers in Kontakt kommen, besteht ein Infektionsrisiko. Zu diesen Flüssigkeiten gehören vor allem Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder der Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms von Menschen mit einer HIV-Infektion, die keine Medikamente gegen HIV nehmen.

Die meisten Menschen stecken sich beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom mit HIV an. Bei analem (Eindringen des Penis in den Po) oder vaginalem Geschlechtsverkehr (Eindringen in die Vagina) ist das Übertragungsrisiko hoch, auch für andere sexuell übertragbare Infektionen. Davor kannst du dich und deine Partnerin oder deinen Partner durch die Benutzung eines Kondoms schützen. Das empfiehlt sich besonders bei wechselnden Partnerinnen oder Partnern, wenn ihr euch noch nicht so gut kennt. Manche Menschen nehmen auch vorsorglich HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, wenn sie Sex ohne Kondom haben. Diese Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) sollte man aber nur in Absprache mit einem Arzt/einer Ärztin nehmen. Außerdem sind die Medikamente viel teurer als Kondome und können Nebenwirkungen haben.

HIV wird nicht beim Austausch von Zärtlichkeiten, beim Küssen und beim Petting (sexuelle Handlungen ohne Eindringen des Penis in Po oder Vagina) übertragen. Auch beim Oralsex (Sex mit dem Mund) ist das Übertragungsrisiko sehr niedrig. Um jedes Risiko zu vermeiden, sollte kein Sperma oder Menstruationsblut mit dem Mund aufgenommen werden.

Außerdem machen viele Paare, die sich kennen lernen und zunächst geschützten Sex (mit Kondom) haben, einen HIV-Test, bevor sie miteinander ungeschützten Sex haben. Dafür ist es aber wichtig, dass sie keinen ungeschützten Sex außerhalb dieser Beziehung haben.

Ein hohes Risiko besteht bei der gemeinsamen Verwendung von Spritzen. Menschen, die sich Drogen spritzen, sollten immer nur ihre eigenen Spritzen verwenden und diese niemals mit anderen teilen.

Dinge der persönlichen Hygiene wie das Rasierzeug oder Zahnbürsten sollten grundsätzlich nicht mit anderen geteilt werden.

29. Kann man aus einer Tasse trinken?

Ja. Wenn du mit anderen aus einer Tasse oder aus einem Glas trinkst, kannst du dich nicht mit HIV anstecken. Speichel enthält so wenige Viren, dass damit keine Ansteckung erfolgen kann.

30. Ist Oralverkehr für den Mann gefährlicher?

Nein, Oralsex ist für den Mann nicht gefährlicher als für die Frau. Das Risiko, sich beim Oralsex mit HIV anzustecken, ist für beide sehr gering, siehe Frage 28.

Wer ganz sicher gehen will, sollte Sperma oder Menstruationsblut im Mund vermeiden.

31. Kann eine Übertragung von HIV durch den Mund stattfinden?

Ja, ein kleines Risiko besteht, wenn Sperma oder Menstruationsblut mit dem Mund aufgenommen werden. Beim Küssen und Knutschen kann HIV jedoch nicht übertragen werden. Speichel ist nicht ansteckend.

32. Kann es passieren, dass ich mich bei einer HIV-positiven Frau anstecke?

Ja, bei ungeschütztem analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr (ohne Kondome) kann man sich bei einer HIV-infizierten Person anstecken. Auch Frauen können sich bei HIV-positiven Männern anstecken. Man kann es einem Menschen nicht ansehen, ob er HIV-positiv ist.

33. Kann man sich auch mit HIV anstecken, wenn man ein Kondom benutzt?

Das kommt sehr selten vor, ist jedoch möglich, wenn das Kondom reißt oder in der Vagina der Frau stecken bleibt. Dann kommt die Vaginalschleimhaut mit Sperma in Kontakt und es besteht das Risiko einer Infektion. Wichtig ist, dass das nicht nur der Frau passieren kann, wenn der Mann HIV-positiv ist. Auch der Mann kann sich bei der Frau anstecken, wenn sie HIV-positiv ist.

34. Steckt man sich bei jedem Blutkontakt mit HIV an?

Damit man sich überhaupt anstecken kann, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:

  •  Die Person, mit der man Blutkontakt hat, muss HIV-positiv sein.
  • Es braucht eine ausreichende Menge Viren im Blut der HIV-positiven Person für die Möglichkeit der Ansteckung. Wenn diese Person Medikamente gegen HIV nimmt, kann die Menge der Viren in ihrem Blut (Viruslast) so sehr sinken, dass sie nicht mehr ansteckend ist.
  • Das HI-Virus muss in den Blutkreislauf der noch nicht infizierten Person gelangen können. Dies kann über Kontakt mit Schleimhäuten und Wunden geschehen. Eine unverletzte Haut wie an der Hand oder den Armen bietet hingegen keine Infektionsmöglichkeit.
35. Kann man sich anstecken, wenn man von einer HIV-positiven Person gebissen wird?

Das ist extrem unwahrscheinlich, solange die beißende Person nicht blutet und es zu keinem Blutaustausch mit ihr kommt. Die Menge der HI-Viren im Speichel ist so gering, dass hier keine HIV-Übertragung in die Wunde des Gebissenen erfolgen kann.

36. Kann sich das Baby anstecken, wenn die Mutter HIV-positiv ist?

Ja, das Baby kann sich bei der Mutter vor allem während der Geburt und beim Stillen anstecken. Im Mutterleib ist es weitgehend geschützt, weil es einen eigenen Blutkreislauf hat. Stellt sich während der Untersuchungen der Schwangerschaftsvorsorge heraus, dass die schwangere Frau HIV-positiv ist, werden Schritte unternommen, damit sich das Kind nicht anstecken kann. Dazu gehört, dass die Schwangere während der Schwangerschaft HIV-spezifische Medikamente einnimmt und nach der Geburt nicht stillt. Der Säugling erhält kurz vor der Geburt und in den ersten Lebenswochen ebenfalls HIV-spezifische Medikamente. Die Geburt sollte in einer spezialisierten Klinik erfolgen. Das Kind kann per Kaiserschnitt und auch durch eine natürliche Geburt zur Welt kommen. Fast 100 Prozent der Kinder werden dann gesund geboren.

37. Spürt man es, wenn man HIV hat?

Nein. Nur ein HIV-Test gibt Sicherheit. Viele Menschen spüren nach einer HIV-Infektion keine Krankheitszeichen. Manche fühlen sich krank wie bei einer Grippe. Wenn du denkst, dass du dich angesteckt haben könntest, solltest du in eine Beratungsstelle (z. B. Gesundheitsamt) gehen und die Möglichkeit einer Infektion abklären. Das geschieht in einem Gespräch mit einer Beraterin oder einem Berater und einem anschließenden HIV-Test.

38. Wie verläuft eine Infektion mit HIV?

Wenn sich ein Mensch mit dem HI-Virus angesteckt hat und keine Medikamente gegen das Virus nimmt, zerstören die Viren sein Immunsystem über mehrere Jahre so sehr, dass der Körper sich nicht mehr gegen Krankheiten verteidigen kann und er an AIDS stirbt. Das kommt mittlerweile in Deutschland selten vor, denn es gibt wirksame Medikamente, die einen Ausbruch der Krankheit verhindern. Dafür ist es wichtig, dass eine Infektion möglichst früh durch einen HIV-Test erkannt wird.

Ohne eine medizinische Behandlung passiert folgendes: Kurz nach der Ansteckung haben manche Menschen Beschwerden, die sich wie eine Grippe anfühlen. Viele merken aber auch gar nichts. In diesen ersten Wochen ist man sehr ansteckend (die akute Phase). Danach geht es den Menschen wieder besser und die meisten haben keine Anzeichen einer Krankheit. Das kann ungefähr zehn Jahre so gehen (die Latenzphase). Irgendwann kommt es häufiger zu Infektionen als bei Menschen ohne HIV. Das kann sich z. B. zeigen in Gewichtsabnahme, Durchfall, Husten, Hautproblemen oder lang anhaltendem Fieber (die symptomatische Phase). Wenn dann immer noch keine Behandlung beginnt, wird die nächste Phase AIDS genannt. Dabei kommt es zu schweren Erkrankungen des Nervensystems oder auch Krebserkrankungen, die nicht mehr behandelbar sind und zum Tod führen.

39. Was sind AIDS-Symptome?

Durch eine HIV-Infektion wird das Immunsystem eines Menschen so geschwächt, dass er immer anfälliger für andere Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren wird, von denen auch andere Menschen ohne HIV krank werden können. Hinzu können bestimmte Arten von Tumoren kommen. Nur ein HIV-Test gibt Auskunft darüber, ob ein Mensch mit HIV infiziert ist oder nicht. Und nur eine Ärztin oder ein Arzt kann entscheiden, ob AIDS vorliegt.

40. Wie verläuft eine AIDS-Infektion?

Viele Menschen verwechseln eine HIV-Infektion mit AIDS. Man kann sich nicht mit AIDS infizieren. AIDS ist die Folge einer Infektion mit dem HI-Virus (HIV), wenn diese nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. (Wie eine HIV-Infektion verläuft, kannst du bei Frage 38 lesen.)

41. Ist AIDS eine gefährliche Krankheit oder ist sie behandelbar?

AIDS ist die Folge einer unbehandelten HIV-Infektion. Es ist eine sehr gefährliche Krankheit, weil man daran sterben kann. Heutzutage muss in Deutschland jedoch niemand an AIDS erkranken und sterben. Wenn sich jemand mit HIV angesteckt hat, gibt es sehr gute Medikamente. Sie bekämpfen die HI-Viren und verhindern den Ausbruch von AIDS. Solange man diese Medikamente immer nimmt, kann man gut mit einer HIV-Infektion leben.

 Selbst wenn Menschen das Stadium AIDS erreicht haben, kann ihnen in vielen Fällen geholfen werden.

42. Wie verläuft die Behandlung von HIV/Aids?

In Deutschland gibt es Ärztinnen und Ärzte, die auf die Behandlung von Menschen mit einer HIV-Infektion spezialisiert sind. Sie arbeiten in HIV-Schwerpunktpraxen oder HIV-Kliniken. Sie entscheiden, wann mit der Behandlung von HIV begonnen werden soll. Zur Bekämpfung der HI-Viren (HIV) gibt es spezielle Medikamente. Sie werden als antiretrovirale Medikamente bezeichnet und verhindern die Vermehrung des Virus im Körper. Diese Mittel müssen bis ans Lebensende genommen werden, da die Viren sich sonst wieder vermehren und das Immunsystem angreifen.

43. Kann man HIV/AIDS durch Medikamente heilen?

Eine HIV-Infektion ist bislang nicht heilbar. Wenn sie durch einen HIV-Test erkannt wird, gibt es jedoch sehr gute Medikamente. Diese verhindern die Ausbreitung des Virus im Körper und die Schädigung des Immunsystems und damit verbundene Erkrankungen, siehe auch Frage 38 und Frage 42.

44. Ist diese Krankheit verbreitet in Deutschland? Wie viel Prozent?

Nein, diese Krankheit ist in Deutschland glücklicherweise nicht sehr verbreitet. Das liegt auch daran, dass sehr viel über dieses Thema aufgeklärt wird. Insgesamt leben in Deutschland 82,7 (2017) Millionen Menschen. Davon sind geschätzt ungefähr 86.000 (2017) Menschen HIV-positiv, also mit dem HI-Virus infiziert.[i] Das entspricht ungefähr 0,1 % der Bevölkerung. Wichtig ist jedoch, dass eine HIV-Infektion nur zu einer Erkrankung führt, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird. Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die durch HIV krank werden, ist daher extrem gering.

[i] Robert Koch Institut: HIV/AIDS in Deutschland – Änderung der Eckdaten der Schätzung, 2017

45. Wo kann man einen HIV-Test machen?

Wenn du einen HIV-Test machen möchtest oder dir unsicher bist, ob du eine andere sexuell übertragbare Infektion hast, kannst du zum Gesundheitsamt oder zu einer Beratungsstelle gehen. Die Adressen findest du unten. Tests werden dort anonym mit Beratung durchgeführt, niemand erfährt deinen Namen. Du kannst auch zu einer Arztpraxis gehen, aber da ist der Test nicht anonym. Seit kurzem kann man auch einen HIV-Test in einer Apotheke, Beratungsstelle oder online kaufen und zu Hause alleine machen. Die Beratung ist aber sehr hilfreich und sollte deshalb genutzt werden. Bei einem positiven Ergebnis (das heißt, wenn eine HIV-Infektion vorliegt) muss nochmal ein Test gemacht werden, um zu schauen, ob es wirklich stimmt.

Hier findest du sicher eine Beratungsstelle in deiner Nähe: www.hivandmore.de/hiv-test/teststellen/index.php.